Färbermarkt 2015

Geschafft.
Am heurigen Färbermarkt in Gutau war die Zeugfärberei zum ersten Mal  mit dabei._DSC0047Ungefähr 400 Interessierte haben in der Zeugfärberei das Blaue Wunder erlebt. Wir hatten unsere Tür für die BesucherInnen geöffnet und im Halbstundentakt erzählten Janina und Maria von der Indigofärberei, Reservierungstechniken, Blaudruck, Siebdruck und unseren Experimenten._DSC0128_DSC0119
Unter der Buche hinter der Alten Schule stand unser Marktzelt mit den Ergebnissen der letzten 3 Monate, das von Zeitgenossinnen liebevoll betreut wurde. Vielen Dank an alle HelferInnen!_DSC0111_DSC0046 _DSC0045

1A Spitzenqualität und das Experiment

Die Zeugfärberei ist kein professioneller Färbebetrieb.
Wichtiger als wiederholbare Ergebnisse sind uns das Experiment, der offene Zugang an die Thematik und die Freude am Tun!
Doch was vorerst wie ein Fehler aussieht, entpuppt sich öfters als gelungener Zufall, dadurch kommen viele verschiedene spannende Variationen heraus, wovon jedes einzelne Stück ein Unikat ist. Hier einige Ergebnisse aus dem Jahr 2015 (bis auf die Stickerei „Versuch macht klug“: die hängt in der Färberei Volprecht in Sachsen.)

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Das blaue Wunder

In der Küpe wird der Indigostaub durch z.B. Natriumdithionit oder Henna und Fruktose reduziert (es gibt viele verschiedene Reduktionsmethoden), dadurch kann sich der Indigo im stark alkalischen Wasser lösen und verändert seine Farbe in der Küpe zu einer grün-gelblichen und durchsichtigen Suppe (Leukoindigo), die von oben aber trotzdem dunkel ausschaut.

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Wird ein Stoff eingetaucht, setzen sich gelöste Idigo-Partikel auf der Oberfläche des Gewebes fest. Beim Herausziehen ist der Stoff kurze Zeit richtig hellgrün, der gelöste Indigo reagiert mit der Luft und verwandelt sich in seine blaue Form zurück, nur durch diese Transformation kann sich der Indigo dauerhaft an das Gewebe binden.

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Das ist das blaue Wunder.

Zwischen jedem mal eintauchen (Zug) muss gewartet werden, bis der ganze Stoff komplett blau geworden ist. In Falten oder sehr dicken Schichten blaut der Indigo schlecht bis garnicht (H2O-Mangel).
Ab dem 4. Zug sieht man das Grün natürlich nicht mehr so strahlend, aber doch noch klar. Und gefärbt werden so viele Züge, wie dunkel man den Stoff eben haben möchte.

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Neue Küpe

Jetzt haben wir eine 200-Liter-Küpe – ein geschenktes Regenfass. Aus den Erfahrungen mit den kleineren Küpen und was wir uns so zusammengelesen haben, haben wir folgende Zutaten verwendet: 600 g Indigo aus Indien, Natriumdithionit und Kristallsoda (Waschsoda).

Vom pH-Wert heisst es, er soll für Pflanzenfaser zwischen 10 und 12 liegen. Das haben wir mit dem Waschsoda nicht gut halten können:  auf der Oberfläche der Küpe bildet sich in wenigen Minuten eine Schicht Carbonat (?). Diese Schicht ist lästig, weil sie bröckelige Flecken auf dem Stoff hinterlässt. Ausserdem ist uns in der Suppe der Papp abgeschwommen…
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Der Ansatz einer zweiten Küpe: 240 Liter Wasser, 3 kg Natriumdithionit, 1,5 kg Ätznatron und 1 kg Indigo. Damit gibt es nur mehr bei längerem stehen-lassen eine kristalline Schicht, und sie kann gut färben.

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Bei Einstellung und Ergänzung der Küpe folgen wir – wie meistens – der Versuch/Irrtum-Methode.
Oder wie wir bei meisterlichen Blaudruckern in Sachsen erfahren durften:

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Musterwalzen

Wir haben von Freunden etliche Musterwalzen ausgeliehen, wie sie zum Mustern von Wänden benutzt werden. Wir haben verschiedene Systeme: jene mit einer Schaumstoffwalze zur Übertragung der Farbe auf die Gummiwalze (damit lassen sich horizontale Flächen bedrucken), und jene mit einem Trichter und Metallwalzen (dafür muss das Bedruckmaterial vertikal angebracht werden, zB mit Rollkleber). _DSC0029
Die Schwierigkeit beim Drucken mit Papp ist die richtige Konsistenz, außerdem  lässt sich bei dem Trichtergerät nicht wirklich viel Druck ausüben.
Aber mit ein bisschen Übung, einer ruhigen Hand und Geduld kann man mit Musterwalzen wunderschöne Blaudruckstoffe machen.

Mit Musterwalzen kann man aber natürlich auch andere nette Sachen machen! Zum Beispiel haben wir für das Freie Radio Freistadt eine textile Wand mit mühlviertler Hügellandschaft gestaltet…

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