1A Spitzenqualität

Die Zeugfärberei ist kein professioneller Färbebetrieb.
Wichtiger als wiederholbare Ergebnisse sind uns das Experiment, der offene Zugang an die Thematik und die Freude am Tun!

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Das sieht man auch manchen unserer Produkte an…
Doch was vorerst wie ein Fehler aussieht, entpuppt sich öfters als gelungener Zufall, dadurch kommen viele verschiedene spannende Variationen heraus, wovon jedes einzelne Stück ein Unikat ist.

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die Werkstatt in Entwicklung

Nachdem wir ja Quereinsteiger/innen im Färben mit Indigo sind und uns experimentell  an verschiedene Reserve-Verfahren für die Stoffgestaltung mit Küpenfärbung herantasten, kommen wir mit der Zeit immer wieder drauf, dass eine andere Raumnutzung praktischer wäre… auch Hilfsgeräte kommen so nach und nach dazu und müssen übersichtlich und erreichbar gelagert werden… jedenfalls ist die Zeugfärberei-Werkstatt bisher oft in Bewegung und wird Schrittweise immer besser und ausgegorener. Mal schauen, wie es weitergeht.

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Wachs-Reservetechnik

Rund um die Welt wird schon seit Jahrtausenden gefärbt und mit verschiedenen Techniken Teile vom Stoff “reserviert”.
Eine weit verbreitete Art ist die Wachsreserve, oft auch als Batik bekannt. Hier wird mittels Stempel, Pinsel, Schaumgummi oder Tjanting heißes Wachs auf den Stoff aufgebracht.

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Nachdem das Muster abgekühlt ist und das Wachs erstarrt, ist die Reserve sehr robust und kann in der Indigoküpe gefärbt werden.

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Nach dem Auswaschen der Indigoreste wird der Stoff in fast kochendem Wasser gespült, wodurch sich das Wachs an der Wasseroberfläche sammelt und mit etwas Geschick beim Rausholen des Stoffes im Topf bleibt, von wo man es relativ leicht von der Oberfläche abschöpfen kann.

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Färbermarkt 2015

Geschafft.
Am heurigen Färbermarkt in Gutau war die Zeugfärberei zum ersten Mal  mit dabei._DSC0047Ungefähr 400 Interessierte haben in der Zeugfärberei das Blaue Wunder erlebt. Wir hatten unsere Tür für die BesucherInnen geöffnet und im Halbstundentakt erzählten Janina und Maria von der Indigofärberei, Reservierungstechniken, Blaudruck, Siebdruck und unseren Experimenten._DSC0128_DSC0119
Unter der Buche hinter der Alten Schule stand unser Marktzelt mit den Ergebnissen der letzten 3 Monate, das von Zeitgenossinnen liebevoll betreut wurde. Vielen Dank an alle HelferInnen!_DSC0111_DSC0046 _DSC0045

Erste Blaudruckschritte

2014 haben wir angefangen, uns näher mit dem Blaudruck zu befassen. Wir haben uns zuerst so gut als möglich eingelesen und sind dann zum Experiment übergegangen.
Um einen gewissen Überblick zu behalten, haben wir jedem Papp-Versuch einen Buchstaben gegeben und diesen mit Stencil-cut-Siebdrucktechnik auf vorher beschriftete Stofffetzerl gedruckt.

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Wir haben viele verschieden Nori-Pasten-Varianten ausprobiert

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Es gab bessere (=guter Kontrast, weiß auf blau) und schlechtere (=flaue Reserve oder ausgewaschen während des Färbens) Ergebnisse in der Versuchsreihe. Wir haben uns eine Feinwaage zugelegt, um die Verhältnisse genau dokumentieren zu können, aber richtig wiederholbar war bisher keiner der gut reservierenden Papps… auf dem Gebiet (wie auf allen anderen auch) ist noch ein breites Experimentierfeld.

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Nach dem Buchstaben N haben wir (Martin und Janina) mit Maria und Cimi angefangen, die Zeugfärberei in der Alten Schule Gutau einzurichten.

Seit dem ist schon einiges weitergegangen, manches ist klarer, viele Experimental-Abzweigungen warten auf Fortsetzung, einige gute Reservedrucke sind uns schon gelungen, hin und wieder gibt es totale Reinfälle und sehr oft Überraschungen…

Was bis jetzt auf jeden Fall geklärt werden konnte, ist, dass der Blaudruck sich gut mit dem Siebdruck verbinden lässt.

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Das blaue Wunder

In der Küpe wird der Indigostaub durch das Natriumdithionit reduziert, dadurch kann sich der Indigo im Wasser lösen und verändert seine Farbe in der Küpe zu einer grün-gelblichen und durchsichtigen Suppe (Leukoindigo), die von oben aber trotzdem dunkel ausschaut.

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Wird ein Stoff eingetaucht, setzen sich gelöste Idigo-Partikel auf der Oberfläche des Gewebes fest. Beim Herausziehen ist der Stoff kurze Zeit richtig hellgrün, der gelöste Indigo reagiert mit der Luft und verwandelt sich in seine blaue Form zurück, nur durch diese Transformation kann sich der Indigo dauerhaft an das Gewebe binden.

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Das ist das blaue Wunder.

Zwischen jedem mal eintauchen (Zug) muss gewartet werden, bis der ganze Stoff komplett blau geworden ist. In Falten oder sehr dicken Schichten blaut der Indigo schlecht bis garnicht (H2O-Mangel).
Ab dem 4. Zug sieht man das Grün natürlich nicht mehr so strahlend, aber doch noch klar. Und gefärbt werden so viele Züge, wie dunkel man den Stoff eben haben möchte.

Werkzeug

 

papp-nori-zutaten20140921_185116Werkzeug und Zutaten für Nori-Paste

belichten-kleinDSC04879 Der  Belichter (das Solarium), normalerweise steht er in der Dunkelkammer.

 

 

 

 

 

zigzagschereDSC04344Zickzack-Schere, damit die Stoffe nicht so ausfransen.

badewanne-spritzschutz-20140921_184719Badewanne mit Spritzschutz und Hochdruckreiniger zum Siebe auswaschen.

 

 

 

 

Neue Küpe

Jetzt haben wir eine 200-Liter-Küpe – ein geschenktes Regenfass. Aus den Erfahrungen mit den kleineren Küpen und was wir uns so zusammengelesen haben, haben wir folgende Zutaten verwendet: 600 g Indigo aus Indien, Natriumdithionit und Kristallsoda (Waschsoda).

Vom pH-Wert heisst es, er soll für Pflanzenfaser zwischen 10 und 12 liegen. Das haben wir mit dem Waschsoda nicht gut halten können:  auf der Oberfläche der Küpe bildet sich in wenigen Minuten eine Schicht Carbonat (?). Diese Schicht ist lästig, weil sie bröckelige Flecken auf dem Stoff hinterlässt. Ausserdem ist uns in der Suppe der Papp abgeschwommen…
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Der Ansatz einer zweiten Küpe: 240 Liter Wasser, 3 kg Natriumdithionit, 1,5 kg Ätznatron und 1 kg Indigo. Damit gibt es nur mehr bei längerem stehen-lassen eine kristalline Schicht, und sie kann gut färben.

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Bei Einstellung und Ergänzung der Küpe folgen wir – wie meistens – der Versuch/Irrtum-Methode.
Oder wie wir bei meisterlichen Blaudruckern in Sachsen erfahren durften:

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Reismehlpapp

Ein wenig haben wir uns mit dem japanischen “Reismehlpapp” beschäftigt – die Technik ist bekannt als Norizome oder Katazome (wenn die Nori-Paste durch eine Reispapierschablone gestrichen wird).
Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich – teilweise hat die Paste gut reserviert, teilweise gar nicht. Es dürften viele Umgebungsvariablen auf das Ergebnis einwirken: Feuchte des Stoffes, Temperatur und pH-Wert der Küpe und so weiter.

Irgendwann haben wir dann auch versucht, die europäische Papp-Rezeptur mit der japanischen zu verbinden, also haben wir Kupfersulfat bei der Zubereitung der Nori-Paste zugegeben. Das Kupfersulfat hat einen starken Einfluss auf die Indigofärbung, aber wieder etwas unvorhersehbar: teilweise bleiben reservierte Stellen reinweiß, an anderen Stellen (auf dem selben Stück Stoff) färbt der Indigo den Stoff stärker als dort, wo kein Papp drauf ist, wird also dunkelblau. -> Großes Rätselraten. Wir müssen Rücksprache mit dem Chemiker unsere Vertrauens halten.

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Die Nori-Paste wird so ähnlich zubereitet wie Mochi (das japanische Neujahrskonfekt) :  Klebreismehl und Kleiemehl werden feucht zu Knödeln geformt, diese werden gedämpft. Anschließend werden die Knödel zerstampft und mit Kalk- und Salzwasser geschmeidig gemacht.

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